Reisen

Indonesien 2016, 13. Tag Tobelo

Nachdem wir lange durchgehalten hatten, wurden nun auch wir von Montezumas Rache eingeholt. Trotz aller Vorsorgemaßnahmen hat es nun unsere Familie erwischt. Nach und nach lag eines unserer Familienmitglieder nach dem anderen darnieder. Durchfall und Erschöpfung waren die Folge, sodass wir an diesem Tag leider nicht viel vom Programm zu berichten haben.

Aber vielleicht ist es auch gut, einmal über die unangenehmen Punkte der Reise zu sprechen. In diesem Fall schildere ich ausschließlich meine eigene Sicht.

Zum Start der Reise haben wir alle notwendigen Maßnahmen für die Reise unternommen, wie entsprechende Impfungen vorgenommen, Mittel zur Malaria-Prophylaxe mitgenommen, besondere Hygiene-Maßnahmen getroffen und eine angepaßte Reiseapotheke zusammengestellt.

Aufgrund der Länge und des Umfangs der Reise haben wir uns auch besondere Gedanken zum Reiseverlauf gemacht und die Reise entsprechend gegliedert. Wir begannen mit vier Tagen zur Eingewöhnung und Aklimatisierung in Yogyakarta, gefolgt von einer anstrengenden Woche in Gastfamilien der Partnergemeinde im noröstlichsten Teil Indonesiens, einer Woche Bade- und Kultururlaub auf Bali, einer Woche Erholung ausschließlich mit der eigenen Familie auf Bali und als Abschluß eine Woche Großstadt-Trubel in Bangkok wieder in der Gruppe.

Ich denke die Planung in dieser ersten Form war gut und richtig.

Wir haben in Yogyakarta viel unternommen, gesehen und erlebt. Der Plan war für deutsche Verhältnisse gut, allerdings tickt die Zeit hier in Indonesien einfach anders und unsere Zeitplanung geriet immer wieder etwas durcheinander, sodass wir zwar alle geplanten Punkte durchführen konnten, aber leider zu wenig Zeit für die unter diesen heißen, schwülen Bedingungen notwendige Regeneration hatten. Zusätzlich belastete uns dabei das immer frühe Aufstehen gegen vier oder fünf Uhr (entweder weil wir zum Flughafen mussten oder um Besichtigungsziele zu erreichen bevor die Sonne sticht). Dies soll keine Kritik sein, denn auch ich war mir dessen so nicht bewußt, sondern es ist eine Erkenntnis, die es nächstes Mal zu beachten gilt. In Indonesien wird viel bar bezahlt und der größte Schein ist der 100.000-Rupia-Schein, so dass man bei größeren Beträgen schnell mit einem Stapel Geld herumläuft. Daher ist es ratsam, nie viel Geld bei sich zu haben. Geldautomaten gibt es in Städten wie Sand am Meer, aber auch auf dem Land sind sie zu finden. Zu beachten ist, dass diese nur 1,5-2,5 Mio. Rupien je Abhebung in 50.000er oder 100.000er auszahlen. Teilweise kann man dies mehrfach hintereinander machen. Dies wollte ich hier nicht wegen des Geldes ansprechen, sondern aufgrund des benötigten Zeitauswands. Dabei ist, wenn man nicht zufällig vorbeikommt, schon mal eine halbe Stunde einzuplanen und dies mehrmals die Woche.

In indonesischen Geschäften und Restaurant ist mehr Personal anzutreffen als in Europa. Dies heißt aber nicht, daß es dann schneller geht, eher das Gegenteil ist der Fall. Man ist gut beraten, wenn man die Zeitpuffer bei einer Planung größer wählt als normal. Denn bei größeren Gruppen, gemeint sind schon 10 oder mehr Personen, sind Restaurants oder Warungs schnell überfordert.

All diese Dinge hatten viel Zeit gekostet, so dass ich bei der nächsten Planung einen freien Nachmittag einplanen werde.

Uns war im Vorfeld unserer Reise nach Halmahera im nordöstlichsten Teil Indonesiens bereits klar, dass es aufgrund schwieriger Verständigung und Leben in der Gastfamilie anstrengender werden würde. Der euphorische Empfang und der freundliche, freudige und ungezwungene Umgang der Indonesier mit uns hat uns viele Anstrengung vergessen oder nicht spüren lassen. Auf jeden Fall wird man durch die Erschöpfung anfälliger und so hat die Reisediarrhoe nahezu jeden aus der Gruppe mehr oder weniger erwischt. Ein Tag außer Gefecht und dann bis zu 10 Tage weiter Durchfall ist nicht schön, aber zu ertragen. Nicht zu verachten ist jedoch der Aufwand, wenn die Mitglieder der Gruppe dies immer schön hintereinander bekommen. Am ersten Tag sollte jeder betreut werden, da die Hitze und Schwüle zusätzlich belastet und man auf ausreichend Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr achten sollte. Jeder sollte sich im Rahmen einer solchen Reise daher immer rechtzeitig eine Auszeit nehmen. Die Sorge um unsere Gesundheit in unseren Gastfamilien war unbeschreiblich. Wenn es möglich gewesen wären, dann hätten sie selbst die Sterne vom Himmel geholt um uns zu helfen, so wurden wir umsorgt.

Da wir uns der Anstrengung wenigstens zum Teil bewusst waren, hatten wir uns bereits im Vorfeld entschieden – nach dieser Woche in Gastfamilien – auf Bali unsere Akkus wieder aufzutanken und jeden zweiten Tag ohne Plan mit Chillen, Baden oder Einkaufsbummel vergehen zulassen. Wir freuen uns auch schon darauf und sind sehr gespannt was uns der nächste Tag bringen wird.

Jetzt ist dieser Teil deutlich länger geworden als er sollte und vermittelt einen unschönen Eindruck. Dem ist jedoch nicht so. Bis dato war dies unser schönster, beeindruckendster und emotionalster Urlaub, den wir bisher hatten und wir weder auf jeden Fall wiederkommen.

2 Kommentare zu “Indonesien 2016, 13. Tag Tobelo

  1. Bine

    Da reicht oft schon der Temperaturunterschied, andere Gewürze im Essen, etc. Dinge an die man oft einfach nicht denkt. Passiert auch, wenn man gar nicht so weit reist wie ihr. Ich spreche aus Erfahrung. Ihr seid 100% bestens vorbereitet gewesen. Genießt trotzdem noch die restliche Zeit! Viele Grüße aus dem noch immer sehr warmen Stuttgart.

  2. Ruth und Rod

    Uwe, es ist so toll Eure Reise zu verfolgen und mir kommen die Traenen ueber die schoene Beschreibung. Die Indonesier sind wunderbare Menschen und sind sehr um die Besucher besorgt und kuemmern sich so liebevoll um Euch. Die Montesuma Rache gehoert auch dazu, wir hatten sie auch alle, doch die Kohletabletten haben geholfen. Es ist eine andere Welt und es ist herrlich dass Ihr sie kennengelernt habt. Weiterhin viel Spass und nimmt ein bisschen von dem „laessigeren“ Leben mit nach Hause.

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